Mit Samtpfoten und Kraftmeierei


Gießener Anzeiger
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Stand: 31.03.2025, 23:00 Uhr

»Fräulein Brehm«
bringt dem Publikum in Lich auf Einladung des NABU gefährdete Tiere nah.

Lich (red). Ob Samtpfoten eines Raubtieres oder Kraftmeierei eines Winzlings: Sehr bildhaft, mit viel Foto und Grafik unterlegt – und vor allem ausdrucksstark in Gesten und Stimme, so war das »Tierische Theater«, zu dem der NABU Lich anlässlich der Kulturwochen eingeladen hatte. Dabei knüpfte »Fräulein Brehm« aus Berlin immer wieder an ihrem Namenspaten an, dem großen Alfred Brehm, um ihren Zuschauern die drei Tierarten Nachtigall, Luchs und Regenwurm nahezubringen.

Barbara Geiger, die das Fräulein verkörpert, hat ihre Bühnenstücke Tierarten vom Wolf bis zur Flussperlschnecke gewidmet. Sie zeigte in Lich einen kleinen Ausschnitt aus ihrem großen Repertoire. Dabei verstand sie es, mit Sprachgewalt, Sprachwitz und ihrem lebhaften Temperament das Publikum in den Bann zu ziehen – und vor allem für die dargestellten Tiere zu gewinnen. Mal ein bisschen Clown, mal Lehrer Lämpel, immer aber wissenschaftlich basiert.

Doch am Ende jedes Programmteils wurde es für die Zuschauer stets ein bisschen ungemütlich; Geiger/Brehm zeigte für die soeben liebgewonnen Tiere die Bedrohungen und Gefährdungen auf: Ersten Erfolgen der Wiederansiedlung zum Trotz bleibt der Luchs bei uns gefährdet, weil ihm immer mehr Lebensraum genommen wird – er braucht immerhin 200 Quadratkilometer. Und der sangesfreudigen Nachtigall fehlen mehr und mehr die unberührten und nicht mit Gift verseuchten Gebüschhecken und dichten Waldränder.

Ja, sogar der Wurm ist bedroht, das zeigten Fräulein Brehms Bilder und Informationen. Ob riesige Ackerschlepper, die den Boden verdichten (und ihn anschließend wieder tief pflügen müssen) oder mit Glyphosat totgespritze Pflanzen: Regenwürmer werden in der modernen Landwirtschaft immer seltener. Dabei wären sie mit ihrer Riesenkraft eigentlich die besten und fleißigsten Helfer, die der Bauer sich wünschen kann.

Doch am meisten in Erinnerung bleibt die Faszination, die die Tiere hervorrufen könne, wenn man sich intensiv mit ihnen beschäftigt. Witzig, nützlich, herrlich. Das Publikum war sich einig: »Danke, Fräulein Brehm!«