Pressemeldung Gießener Anzeiger 23.02.2026
Lich – Auch Winterwetter und ungemütliche Temperaturen konnten die Naturschützer der NABU-Gruppe Lich nicht von einem Einsatz in den Obstbaumwiesen am Licher Stadtrand Richtung Hattenrod abhalten. Alte Obstbäume, neue Bäume und Nistkästen für Steinkäuze standen im Mittelpunkt.
Streuobstwiesen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas – und zugleich zu den am stärksten bedrohten. Auf einer einzigen Streuobstwiese können bis zu 5000 Tier- und Pflanzenarten leben. Alte Hochstamm-Obstbäume, extensiv genutztes Grünland und eine große Sortenvielfalt schaffen ein einzigartiges Mosaik aus Lebensräumen: Höhlenbrütende Vögel wie Steinkauz und Wendehals, Wildbienen, Schmetterlinge, Fledermäuse, seltene Moose, Pilze und Kräuter finden hier Nahrung, Schutz und Brutplätze. Zugleich bewahren Streuobstwiesen ein wertvolles genetisches Erbe in Form alter, regional angepasster Obstsorten.

Hier wird ein neues Obstbäumchen in die Erde eingebracht.
Trotz Winterwetter setzt sich der Nabu für bedrohte Streuobstwiesen ein. Zehn neue Obstbäume und spezielle Nistkästen sollen die Artenvielfalt fördern.
Streuobstwiesen sind ein Paradebeispiel dafür, wie menschliche Nutzung und Naturschutz im Einklang funktionieren können. Doch trotz ihrer hohen Bedeutung gehen die Streuobstbestände seit Jahrzehnten zurück. Mangelnde Pflege und Überalterung, Flächenumwandlung und Bebauung, Klimawandel mit Trockenstress und Extremwetter, aber auch der Verlust von Wissen über Pflege und Nutzung gehören zu den Ursachen.
Dass Streuobstwiesen seit 2021 als Immaterielles Kulturerbe anerkannt sind, ist ein wichtiges Signal. Doch ihr Fortbestand entscheidet sich vor Ort – durch Pflege, Nutzung, politische Unterstützung und das Engagement von Naturschützern. Dazu haben der NABU und die Licher Grünen mit einem „Thementag Streuobstwiesen“ einen kleinen Beitrag geleistet.
Die NABU-Aktiven hängten mehrere Steinkauz-Nistkästen auf – versehen mit Marder- und Waschbärenschutz, ausgestattet mit Waldboden und ausgerichtet nach Südosten.
Ein Baumfachwirt unterstützte die Naturschützer mit wertvollen Hinweisen zum Baumschnitt und zur Begutachtung des Bestandes. Zehn neue Obstbäume wie Butterbirne, Goldparmäne und Ortenauer Zwetschge wurden gepflanzt. Um Fraßschäden durch Wühlmaus oder Wildtiere vorzubeugen, wurden die Wurzeln in Hasengitter gepflanzt und mit Fraßschutz versehen.
Die Beteiligten zeigten sich zufrieden mit dem Tagesergebnis: Alles in allem ein kleiner Beitrag zu Diversität und Artenschutz vor der eigenen Haustüre.
