Ein dreifaches Willkommen für Flugakrobaten


NABU Lich zeichnet „Schwalbenfreundliches Haus“ in Eberstadt aus.

Wenn im Frühling die Schwalben aus ihren Winterquartieren zurückkehren, bringen sie Leben in die Höfe. Doch was einst selbstverständlich war, ist heute selten geworden. Nester an Gebäuden werden längst nicht mehr überall geduldet. Umso größer war die Freude bei der NABU-Gruppe Lich, dass eine Bewerbung für die bundesweite NABU-Aktion „Schwalbenfreundliches Haus“ aus der Münzenberger Straße in Eberstadt einging.

Auszeichnung für Schwalbenfreunde
Auszeichnung für Schwalbenfreunde (v.l.):  Familie Haub-Steinmüller, Andreas Schmidt, Alexandra Renkawitz, Christian Schulz sowie Andreas Lachmann vom NABU Lich

Am vergangenen Samstag wurden die Hausbesitzer für ihren Einsatz mit einer Urkunde und schöner Plakette ausgezeichnet. Bei der Begutachtung vor Ort zeigte sich schnell, dass sich in der Münzenberger Straße ein wahres „Drei-Schwälbchen-Eck“ gebildet hat. Neben der Bewerberin Claudia Haub-Steinmüller betonten auch die Nachbarn Andreas Schmidt, Alexandra Rankewitz und Christian Schulz, dass sie die tierischen Mitbewohner keineswegs nur tolerieren. Im Gegenteil, sie teilen ihren Hof bewusst mit den Vögeln und erleben das Sommerhalbjahr mit ihnen mit großer Freude. Die Anwohner schilderten eindrucksvoll, wie sich zeitweise über 30 Schwalben nebeneinander auf dem Hoftor oder einer Stromleitung im Hof versammeln. Besonders fasziniert die Nachbarschaft jedes Jahr aufs Neue, die ersten Flugversuche der jungen Rauch- und Mehlschwalben hautnah mitzuerleben. Wenn sich die Schwalben nämlich willkommen fühlen, ist es ziemlich sicher, dass sie als schöne Frühlingsboten aus ihren Winterquartieren wiederkommen. 

Nach einem Scheunenbrand im vergangenen Jahr hatten Familie Rankewitz und Schulz Bedenken und bangten um die Rückkehr. Sie hatten vorsorglich künstliche Nisthilfen angebracht. Doch die willkommenen Schwalben kamen wieder – und bauten ihre eigenen Nester.   

Rund um das ausgezeichnete Haus der Familie Haub-Steinmüller konnten in diesem Jahr sogar mehr Nester als im Vorjahr gezählt werden. Dass es hier teilweise sogar zu dritten Bruten kam, ist ein gutes Zeichen. Vielerorts litten die Vögel unter extremer Trockenheit und Hitze. Ohne feuchten Lehm fehlt das Baumaterial, bestehende Nester trocknen aus, brechen ab oder heizen sich so stark auf, dass die Jungvögel in Panik in den Tod stürzen.  Die Übergabe der Plakette stand stellvertretend für alle Hausbesitzer, die diesen faszinierenden Tieren ein Zuhause unter ihrem Dach bieten. Es zeigte sich, dass Schwalben auch die Menschen miteinander verbinden, die sich für sie engagieren – ganz im Sinne ihrer eigenen, geselligen Natur.

Bei Fragen rund um das Thema Schwalben sowie für Tipps zum friedlichen Zusammenleben stehen der NABU und der Landkreis Gießen gerne beratend zur Verfügung.