Viele Arten gezeigt: NABU Lich lud zur Schmetterlingswanderung
Lich. Beinahe ideale äußere Bedingungen machten die Schmetterlingsexkursion des NABU Lich in den Wiesen und am Waldrand bei Nieder-Bessingen zu einem erfolgreichen Erlebnis. Am Morgen hatte es ganz leicht geregnet, der Waldboden war noch etwas feucht. In den Bäumen begann die Sommerhitze bereits zu steigen, so dass sich unten zahlreiche Falter auf Nahrungs- oder Partnersuche zeigten: Vom “Schornsteinfeger“, eigentlich Brauner Waldvogel, über Ochsenaugen, etliche Schachbrettfalter, Bläulinge, mehrere Kohlweißlingsarten bis hin zum Großen Fuchs und Kaisermantel.

Schmetterlingsexperte Ernst Brockmann erläuterte fachkundig die Eigenschaften und Lebensbedingungen der unterschiedlichen Arten. Immer wieder stand das Thema Klimawandel im Mittelpunkt, finden sich doch mehr und mehr Arten auch bei uns, die es vor ein, zwei Jahrzehnten höchstens im trocken-warmen Klimas Südeuropas gab. Ein Beispiel ist der Brombeer-Perlmutterfalter. Anderen Arten wird die Grundlage entzogen, indem feuchte Niederungen auch in der Wetter-Aue austrocknen oder dort die Wiesen früh gemäht werden. Der Schwalbenschwanz ist sehr selten geworden.
Immerhin, so Brockmann, sei positiv zu vermerken, dass mehr und mehr Landwirte am Feldrand einen wild blühenden Saum von anderthalb Metern stehen lassen. Dort finden dann die beim Mähen verschonten Exemplare wenigstens vorübergehend ihre Nahrung – und die Möglichkeit der Eiablage.

Einer Teilnehmerin mit Namen Silvana machte Brockmann mit einem Rostfarbigen Dickkopfalter bekannt – wissenschaftlicher Name „Ochlodes sylvanus“. Die beiden verstanden sich Anhieb. Und der Star und Anlass der Exkursion wurde tatsächlich auch gefangen (und natürlich wie alle anderen nach Begutachtung freigelassen!), nämlich der Große Schillerfalter. Im Sonnenlicht changiert dieser Edelfalter schillernd von Schwarz nach Blau. Man findet ihn nur bei bestimmten Bedingungen im lichten Wald: Weiden oder Espen als Lebensraum, feuchte Flächen am Waldboden, am besten frischer Tierkot (oder auch ein stinkender Käse) als mineralreicher „Leckerbissen“. Aus den Baumkronen kommt er nur bei Schwüle herunter, um am späten Vormittag zu trinken. Allerdings ist er standorttreu, so dass man immer wieder neue Anläufe unternehmen kann. Vielleicht besuchen die Exkursionsteilnehmer „ihren“ Schillerfalter also demnächst mal wieder.
